Der Düwel zieht die Strippen                                                        Westfälische Nachrichten 12.10.2009
 

 

 
Die Stimmung am Tisch des reichen Erblassers Hensberg ist etwas gequält, nur der Teufel schaut vom Kamin aus belustigt zu. Von links nach rechts sind hier folgende Akteure zu sehen: Günter Kempkes (Kalfaktor Hinke), Simon Georges (Neffe Alfons), Bernd E. Bäumer (Hensberg), Julia Wübbeling (Hausmädchen Toni), Monika Rappers (Martha, Hensbergs Schwester), Matthias Dierker (Neffe Jakob) und Hermann Fischer (Teufel). Foto:
 
Die Stimmung am Tisch des reichen Erblassers Hensberg ist etwas gequält, nur der Teufel schaut vom Kamin aus belustigt zu. Von links nach rechts sind hier folgende Akteure zu sehen: Günter Kempkes (Kalfaktor Hinke), Simon Georges (Neffe Alfons), Bernd E. Bäumer (Hensberg), Julia Wübbeling (Hausmädchen Toni), Monika Rappers (Martha, Hensbergs Schwester), Matthias Dierker (Neffe Jakob) und Hermann Fischer (Teufel). Foto:
(Matthias Hörnschemeyer)

 

 

 
Münster - Dieser Düwel ist ein lustiger Geselle. Wie ein Moderator kommentiert er das Geschehen rund um eine einschlägige Erbschaftsgeschichte und knipst dabei mit einer Fernbedienung jeweils eine rote oder grüne Lampe am Bühnenrand an - und zwar immer dann, wenn Onkel, Tante oder Neffen die Wahrheit sagen oder lügen. Klare Sache, dass sich der Düwel stets besonders amüsiert, wenn gelogen wird, dass sich die Balken biegen.

Die Freunde der niederdeutschen Sprache, die am novembergrauen Oktobersonntag ins Kleine Haus der Städtischen Bühnen Münster gepilgert waren, erlebten bei der Premiere des Stückes „Slingeslangetrecken“ (oder auch: „De Leste flügg haruut“) ein Wechselbad der Gefühle. Hier war kein Schwank über einfältige Provinzler und hochnäsige Städter zu sehen - wie sonst häufig bei Mund­artbühnen zu erleben. Nein, hier ging es um eine Erbschaftsgeschichte zur Jetzt-Zeit. Und diese Erbschaftsgeschichte hat einen doppelten Boden.

Der Autor des Stückes, dargestellt von Bernd Artmann, und der Teufel (Hauptfigur des Abends: Hermann Fischer) agieren als Kommentatoren und Moderatoren des Stückes, bilden sozusagen die Rahmenhandlung oder das „Theater auf dem Theater“. Also geht es hin und her zwischen Handlung und Kommentierung. Der Düwel ächzt und juchzt, brüllt und schreit, macht Faxen und ist, mit grünem Scheinwerfer angestrahlt, mal im Kamin oder oben auf der Balustrade zu sehen. Im Wohnzimmer des reichen Fabrikanten Abel Hensberg (souverän und seriös: Bernd E. Bäumer) geht es so zu wie vermutlich in vielen Familien, die einen reichen „Öhm“ vorzuweisen haben.

Schwester Martha (immer schön kiebig: Monika Rappers) und die Neffen Alfons (Simon Georges) und Jakob (Matthias Dierker, als Neuling ein Gewinn im Ensemble) buhlen um die Gunst des Öhms; denn dieser ist kränklich und gerade im richtigen Alter, um sich Gedanken über sein Testament zu machen. Aus dieser Konstellation allein zieht die Geschichte der Niederländerin Duut van Goor, von Hannes Demming griffig ins Münsterländer Platt übertragen, allerdings wenig Pfeffer, obwohl die drei möglichen Erben recht bald über Methoden nachsinnen, den Öhm vorzeitig ins Jenseits zu befördern, um testamentarischen Überraschungen vorzugreifen und selber an die Kohle zu kommen. Es ist mehr das Wechselspiel zwischen Erzähl- und Spielebene, die der Geschichte im zeitlosen Ambiente (Bühne: Kerstin Bayer, Kostüme: Helgard Classen-Seifert) Komik verleiht. Dabei spielt Hermann Fischer, dem man 30 Jahre Theatererfahrung anmerkt, als Teufel das übrige Ensemble an die Wand und erntet erwartungsgemäß den meisten Schlussapplaus. Das passt zu seiner Rolle, und das gibt dem ganzen Spiel den nötigen Drive.

Keine Frage also: Hier zieht der „Düwel“ die Strippen, und nur der Erzähler kann ihm letztlich Einhalt gebieten, ihn im Stück belassen oder auch streichen. Wer nun das Erbe bekommt und bei dieser Hatz letztlich aus der Kurve fliegt, wird hier natürlich nicht verraten. Freunde des Niederdeutschen werden sich in den kommenden Wochen sicher wieder busweise auf den Weg nach Münster machen. Bei der Premiere blieben erstaunlicherweise einige Plätze leer.

» Die nächste Aufführung ist am 25. Oktober im Kleinen Haus.

 
VON
JOHANNES LOY

Echo Münster 13.12.2008         

 

 

Polizeidiener und Landstreicher: Ungleiche "Twillinge" mischen ein Dorf auf - Premiere bei der Niederdeutschen Bühne

 
Twillinge: Premiere bei der Niederdeutschen Bühne

 

Am Sonntag feiert das Stück der Niederdeutschen Bühne im Kleinen Haus Premiere: Hannes Demming hat die "Twillinge" in Szene gesetzt. [Foto: Hörnschemeyer]
 

[13.12.2008 | ECHO]

Der preußische Dorfpolizist Fritz und der arbeitslose, vagabundierende Amadeus – Zwillingsbrüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Anton Aulke, der Lehrer und Mundart-Autor, hat rund um dieses ungleiche Bruderpaar seine Komödie „Twillinge“ gerankt.

Morgen, Sonntag (14. Dezember), ist um 17 Uhr Premiere im Kleinen Haus der Städtischen Bühnen. Hannes Demming hat das Stück für die Niederdeutsche Bühne in Szene gesetzt, er schlüpft in eine der Hauptrollen und spielt auch noch die Drehorgel.

Amtsperson und Vorbild

Die Geschichte geht so: In einem westfälischen Dorf, 1910. Schon vor seinem Dienstantritt an einem schönen Sommermorgen hat der "prüüßke Polßeidiener" Fritz Kattenkalf (Bernd. E. Bäumer)  mit Widrigkeiten zu kämpfen. Seine Frau Fina (Elisaberth Georges) schimpft ihn „buten up Straot“ einen „Snapshusar“ und droht mit Scheidung, wenn er noch einmal „stüörttendick an Huuse kümp“. Als Amtsperson und Vorbild kann Fritz sich das natürlich nicht leisten.

Doch noch mehr Unheil zieht auf: Die Schulkinder haben wieder das Schild „Betreten verboten“ auf dem Rasen vor dem Amtshaus ignoriert und zu allem Überfluss kommt auch noch die fromme Anna daher und warnt Fritz: „De Düüwel steiht ächter ju!“. Fritz schwant Übles und seufzt: „De Dagg fänk jä gued an!“

Zwillingsbruder

Ein ungleiches Paar: der Landstreicher Amadeus (Hannes Demming) und der Polizist Fritz (Bernd E. Bäumer). Schnell erkennen die beiden, dass sie Zwillingsbrüder sind ... Foto: Hörnschemeyer

Aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps! An eine kleine Pause „ächter’t Fuselglas“ ist aber nicht zu denken, denn in Pastors Wiese liegt ein Landstreicher. Fritz waltet seines Amtes und will den Kerl kontrollieren. Er muss aber erkennen, dass dort sein „Twillingsbröerken“ Amadeus (Hannes Demming)  im Gras liegt.

Geschichten aus einem westfälischen Dorf, anno 1910. Anton Aulke, der Mundart-Autor, hat aus dem Zusammentreffen des ungleichen Bruderpaares Fritz und Amadeus  eine amüsante Komödie gemacht. Foto: Hörnschemeyer

Die Dinge nehmen ihren Lauf, das Liebespaar Fritz und Mariechen kommt ins Spiel, und ein „Staotsanwalt uut Mönster met Pläte“. Und zwischendurch kreist der echte Mönsterlänner Fusel, denn beide Bruder sind keine Kostverächter. Als Fritz seinen Rausch ausschläft, bringt Amadeus die Dorfwelt in seine Ordnung …